Nachdem wir eine verwahrloste Parzelle unseres Hanggrundstücks mithilfe von Bruchsteinterrassen und Bodenverbesserungsmaßnahmen als Küchengarten erschlossen hatten (zum Blogartikel geht’s hier lang), stand als nächstes die Planung und der Bau eines Gewächshauses auf dem Plan. Wie das Schicksal es wollte, bot uns ein befreundeter Schreiner genau zur passenden Zeit mehrere baugleiche Sprossenfenster an, die aus einem seiner Bauvorhaben als Abfall hervor gegangen waren. Er fand diese alten Schlossfenster aus Eichenholz samt der dazugehörigen Tür zu schade zum Entsorgen. Diese Auffassung teilten wir sehr und beschlossen daher, die ausrangierten Fenster als Basis für unser Gewächshaus zu verwenden.
Insgesamt erhielten wir kostenlos sieben Sprossenfenster, vier Stück davon mit den Maßen 1,14m x 1,96m und drei Stück mit den Maßen 1,38m x 1,96m. Lediglich die Fensterrahmen und die Dreh-Oliven mussten wir neu beschaffen, weil sie nicht mehr wiederverwendet werden konnten. Diese maximal vorgegebene Anzahl an Fenstern wie auch eine zweiflüglige Tür mit einer Größe von 1,56m x 2,25m beeinflussten die weitere Architektur des Gewächshauses immens. Neben ästhetischen Gesichtspunkten und baurechtlichen Vorgaben mussten wir bei der Planung die Grundstücksgröße und -ausrichtung, sowie die aus der Hanglage resultierenden Herausforderungen berücksichtigen.
Unter diesen Voraussetzungen begannen wir mit der weiteren Planung. Recht bald entstand die Idee, die rückwärtige Seite des Gewächshauses aus Bruchsteinen zu mauern und damit stilistisch an die übrige Grundstücksgestaltung mit den Bruchsteinterrassen anzuschließen. Diese Gewächshausseite ist nach Norden bzw. Nord-Westen hin ausgerichtet; da sie an das Nachbargrundstück angrenzt, welches an dieser Stelle vollständig mit hohen Bäumen und Sträuchern zugewachsen ist, würde dort ohnehin kaum Sonne hingelangen. Die vorhandene Menge an Fenstern hätte überdies für eine komplette Ummantelung des Gebäudes nicht ausgereicht. Weil das Gewächshaus aus Platzgründen so dicht wie möglich an der Grundstücksgrenze aufgestellt werden sollte, würde sich außerdem die Reinigung der Fenster von außen als schwierig erweisen. Ein weiterer Pluspunkt: Während des Tages heizen die Steine sich auf und geben nachts die gespeicherte Wärme ab, so dass die Temperaturen im Gewächshaus weniger schnell absinken, wovon die Pflanzen profitieren.
Nun stellt allerdings eine Mauer aus massiven Bruchsteinen aufgrund ihres hohen Gewichts andere Ansprüche an die Tragfähigkeit eines Gebäudefundaments als Holzfenster…und wir hatten uns in den Kopf gesetzt, aufgrund seiner schlechten Ökobilanz auf Beton als Werkstoff zu verzichten. Die Frage, ob wir es riskieren können, das Gewächshaus ohne Beton auf dem Grundstück zu platzieren, bereitete uns über mehrere Wochen einiges an Kopfzerbrechen: Wie ist die Bodenbeschaffenheit und inwieweit lässt sie sich durch Verdichtung noch verbessern? Wie haben die Menschen vor der Erfindung von Beton die Fundamente ihrer Bruchstein-Häuser gestaltet? Welche Höhe kommt für die Mauer infrage, ohne dass ihr Gewicht das Gelände und damit das Gewächshaus zum Absacken bringt? Nach sorgfältigen Geländesichtungen, zahlreichen Abwägungen und diversen Berechnungen stand irgendwann die Entscheidung fest: Ja, wir wollen uns daran wagen und damit unseren Ansprüchen an das ökologische Bauen treu bleiben.









Bevor es mit der Fundamentierung losgehen konnte, musste allerdings die Größe und das Design des Gewächshauses festgelegt werden. Dieser Herausforderung widmete Reinhard sich in stundenlanger und akribischer Hingabe. Da uns kein Zeichenprogramm zur Verfügung steht, erstellte er mehrere Versionen des Gewächshauses von Hand. Immer wieder ließen wir die Zeichnungen auf uns wirken, steckten mögliche Abmessungen direkt im Gelände ab. Zusätzlich tauschten wir uns mit anderen Menschen aus und erhielten dadurch wertvolle Impulse. Letztlich entschieden wir uns für eine 3,56m x 5,12m große Grundfläche und ein Satteldach mit unterschiedlichen Traufhöhen.
Im nächsten Schritt hob Reinhard mit Hilfe unseres Minibaggers die Grube für das Fundament aus und verdichtete den Boden mit dem Rüttelstampfer. Tiefe und Breite des Fundaments variieren dabei aufgrund der Hangsituation und der unterschiedlichen Belastungen. An der Stelle mit dem höchsten Gewicht ist das Fundament 80cm tief wie breit. Im unteren Teil des Erdreichs verwendeten wir die schwersten und breitesten Steinquader, die wir auf unserem Grundstück finden konnten. Alle unterirdisch liegenden Teile des Fundaments wurden ohne Mörtel verarbeitet. Die Steine wurden direkt auf dem verdichteten Boden platziert, dabei entstandene Zwischenräume mit der schweren, lehmhaltigen Erde des Grundstücks gefüllt und alles zusammen abermals verdichtet.
Bei allen oberirdisch liegenden Teilen des Fundaments sowie bei der Bruchsteinmauer kam Trass-Kalk-Mörtel zum Einsatz, denn hier würde der Lehm durch die Witterung früher oder später ausgespült werden. Trass bezeichnet gemahlenes Vulkangestein, das in Deutschland unter anderem bei uns in der Eifel gewonnen wird, wodurch lange Transportwege entfallen. Trasshaltiger Mörtel ist dicht und dadurch weniger durchlässig für Wasser, was ihn ideal für feuchtigkeitsbelastete Bauwerke wie Altbauten oder eben ein Gewächshaus macht.
Kalk ist mit Brenntemperaturen von 900 – 1000 °C zwar auch kein ökologischer Wunderwerkstoff, schneidet aber im Vergleich zu Zement deutlich besser ab, denn Letzterer wird bei noch höheren Temperaturen zwischen 1400 – 1600 °C gebrannt und gilt weltweit als einer der größten Verursacher von CO₂ Emissionen. Zudem sind die Rückführungsmöglichkeiten von Kalk nach dem Ende seiner Nutzungsdauer vielfältiger als die von Beton. Abgesehen davon ist Kalkmörtel weniger steif: Für unsere Augen unsichtbare Bewegungen, die sich im Bauwerk abspielen, etwa bedingt durch Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, können so leichter abgefedert werden, ohne dass Risse bzw. Schäden im Mauerwerk entstehen.










Beim Bau der Gebäudehülle war Reinhard als Zimmermann ganz in seinem Element. Er nutzte die sich bietende Gelegenheit um die traditionelle Handwerkskunst zu würdigen, indem er als Rahmen eine selbsttragende Holzständer-Konstruktion zimmerte. Diese kommt (wie beispielsweise in alten Fachwerkbauten) ohne Schrauben aus, da die Holzelemente mittels Steckverbindungen ineinander greifen. Die Verbindung zwischen Holzständerwerk und Bruchsteinfundament wurde hergestellt, indem Reinhard punktuell Eisenstäbe durch die aufliegenden Hölzer diagonal in das Fundament drosch. Auf diese Weise konnten wir auf umweltschädliche, nicht-recyclebare Klebstoffe verzichten.
Der Holzrahmen besteht aus heimischer Douglasie. Douglasienholz ist durch seinen hohen Harzanteil von Natur aus widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Fäulnis, was es ideal für den Außenbereich macht. Es handelt sich dabei um ein Holz, das kaum zum Reißen oder Splittern neigt und seine Form gut behält, was bei konstruktiven Anwendungen wichtig ist. Douglasien sind außerdem schnellwachsend und können auch auf nährstoffarmen Böden gut gedeihen, was sie zu einer nachhaltigen Wahl macht. Nicht zuletzt hat Douglasienholz eine attraktive rötlich-braune Farbe mit einer deutlichen Maserung, die im Laufe der Zeit eine wunderschöne Patina entwickelt.
In den Gefachen des Holzständerwerks wurden nach seiner Fertigstellung die alten Schlossfenster wie auch die zweiflügelige Tür eingepasst. Kleinere Zwischenräume in der Holzkonstruktion, die zum Zwecke einer stimmigen Gesamterscheinung des Gesamtbauwerks geplant waren, wurden mit alten Backsteinen gefüllt. Die hintere, im Schatten liegende Mauer wurde wie bereits erwähnt aus Bruchsteinen aufgesetzt.
Zum Schluss erhielt das Dach noch Elemente aus Verbundsicherheitsglas. Eine Ausnahme bilden zwei alte Dachfenster mit Holzrahmen, die wir gebraucht erwerben konnten und zur besseren Belüftung des Gebäudes an der rückwärtigen Seite des Dachs montierten. Die übrigen Glasscheiben wurden mit Hilfe von dafür vorgesehenen Gummiprofilen auf die Dachsparren befestigt. Aufgrund der Dachneigung haben wir an der Traufe Widerlagerwinkel montiert, um ein Verrutschen der Glasscheiben zu verhindern.
Die verwendeten Gummiprofile sind das einzige Material, welches nicht in den Bereich der nachhaltigen Baustoffe fällt. Bei allem Anderen handelt es sich nach unserem Dafürhalten um ökologische und/oder um wiederverwendete bzw. recyclefähige Materialien. Das geschafft zu haben macht uns glücklich und stolz. Wir wünschen uns, dass eines Tages bei allen Bauvorhaben solche Aspekte wie die Rückführbarkeit und Nachhaltigkeit der eingesetzten Werkstoffe, ihr energetischer und ethischer Herstellungsprozess sowie die jeweilige Lebensdauer sorgfältig gegeneinander abgewogen werden und dabei der Fokus nicht auf Profit, sondern auf dem Mehrwert für unseren Planeten und dessen zukünftige Generationen gelegt wird.





